Montag, 25. November 2013

Abschaffung der Maklerprovision - Stand der Dinge

Die Makler hat es bisher gefreut - Millionen von Leute in den letzten Dekaden mussten allerdings darunter leiden und insgesamt nutzlose Milliarden bezahlen: die Maklerprovision.

Die Maklerprovision war schon immer Mietern und Käufern ein Dorn im Auge - insbesondere in Deutschland wo praktisch jeder ohne Qualifizierung, Schulabschluss / Ausbildung oder auch nur einem Hauch von Ahnung von Irgendwas als Immobilienmakler arbeiten darf. In der Praxis haftet ein Makler auch meist für nichts - und kann sich immer aus der Affaire schleichen ("Die Angaben habe ich so vom Verkäufer / Vermieter bekommen", "Das wusste ich nicht"...). Selbst Besichtigungen führen manche Makler nicht mal durch - und wollen dennoch allein durch das Zusenden von unangeforderten Exposées per Email eine "Nachweisprovision" sichen - und ziehen zur Not auch mal vor Gericht und lassen nichts unversucht....

Aber, ist es denn sicher, dass die Maklerprovision abgeschafft wird? Wenn ja, ab wann tritt das neue Gesetz in Kraft?

Aktuell (Stand 25.11.2013) ist dies Teil des "Pakets für bezahlbares Wohnen" das als Bestandteil des  Koalitionsvertrags zwischen CDU/CSU und der SPD - und damit bereits in trockenen Tüchern. Künftig soll die Maklerprovision bei Mietern und Käufern nur noch nach dem sogenannten "Bestellerprinzp" bezahlt werden.


Natürlich gefällt dies der Makler/Immobilien Lobby überhaupt nicht - weshalb hier noch fleissig Propaganda gemacht wird - und mit viel Energie und Spenden versucht wird, das ganz noch zu Fall zu bekommen.

Der IVD "Verein" schreibt in eine Stellungnahme beispielsweis, der neue Gesetzesvorschlag würde in die Vertragsfreiheit eingreifen. Eine Vertragsfreiheit wäre es dann, wenn man als Käufer ohne lange Gerichtsprozesse selbst entscheiden kann, ob man einen Makler zum Kauf einer Immobilie wünscht oder nicht - und nicht beispielsweise ein Exposée per Email unaufgefordert zugesandt bekommt - und sich Makler vor Gericht versuchen, eine Nachweisprovision durchzusetzen.

Soll die Gesetzesänderung nur für Mieter gelten oder auch für Vermieter?

Leider ist die öffentlich-rechtliche Berichterstattung auch nicht immer so, wie man es sich wünscht - und es wird nur weitergereicht, was andere bereits geschrieben haben. Die Tagesschau hat beispielsweise nur die Provision für Mieter erwähnt:

http://www.tagesschau.de/inland/mietpreisbremse100.html

und sich nicht die Mühe gemacht, hier etwas genauer nachforschen.

Fakt ist: bis heute ist noch kein Gesetz verabschiedet - die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, dass es eine entsprechende Gesetzesänderung geben wird - wenn auch möglicherweise in abgemildeter Form.

Ein weiterer Teil des Pakets ist die "Mietpreisbremse" - die allerdings nicht zu Ende gedacht wurde - nicht mal vom Rat der Weisen (Rat der Doofen?). Hier soll durch eine Beschränkung der Mietpreise bei Neuvermietung, ein direkter politischer Einfluss auf die Mieten genommen werden. Abgesehen davon, dass das Verfassungsgericht hier auch noch etwas mitreden muss, hier kurz die Punkte an die offenbar niemand gedacht hat:

- bei Vermietung an WGs oder möblierter Vermietung einzelner Zimmer, gilt die Beschränkung nicht - dies würde nur dazu führen, dass beliebte Wohnungen in Innenstädten nur noch an WGs vergeben werden, nicht mehr an Familien

- die Nebenkosten sind bereits in vielen Städten mit keinen extremen Mieten wie in München genau so hoch wie die Miete selbst. Die Nebenkosten werden direkt von der Politik beeinflusst: durch die Kopplung von Öl und Gaspreisen. Ohne diese Kopplung wären schlagartig die Nebenkosten für alle geringer - hier wäre jedem direkt und schneller geholfen

- hohe Mieten sind keine lokalen Probleme in München, Hamburg, Frankfurt oder Berlin - sondern ein bundesweiter Effekt falscher Politik. Arbeitsplätze fehlen an vielen Orten - nur dadurch gibt es ein Wirtschaftswachstum in Städten wie München - da die Menschen wegen dem Job umziehene und in ihrer Gegend keinen Job finden. Würde sich die Wirtschafts gleichmässiger im Land verteilen, gäbe es absolut kein Problem mehr mit zu hohen Mieten. Auch würde das Zubauen von wertvollem Ackerland und Gründflächen endlich ein Ende haben. Es kann nicht sein, dass trotz Bevölkerungsschwund jeden Tag mehrere Fussballfelder-große Ackerflächen für den Bau von Immobilien geopfert werden. Neubau sollte sinnvollerweise nur noch durch Abriß von Bestandsimmobilien erfolgen - nicht mehr in der grünen Wiese, wenn gleichzeitig an anderer Stelle leerstehende Gebäude verroten.

Im Hamburger Abendblatt war heute ein interessanter Artikel zum Thema Maklerprovision: Über 2 Maklerinnen die bereits heute auf die unmoralische Provision von Käufern verzichten - und dies als eine Dienstleistung nach Aufwand dem Verkäufer in Rechnung stellen:

http://www.abendblatt.de/region/stormarn/article121783871/Beim-Hauskauf-faellt-die-Maklerprovision-weg.html

So eine Vorgehen kann nur begrüsst werden.

Kommentare:

  1. Ich erlaube mir mal, dem Inhalt dieses Textes nach zu schliessen, dass der Verfasser mit dem praktischen Teil der Maklertätigkeit relativ wenig Erfahrung hat.

    Grundsätzlich ist laut Gesetz der Maklerlohn frei vereinbar, ganz gleich ob für Mieter, Käufer oder Verkäufer, solange er nicht an eine gewisse Wuchergrenze stösst, welche wirtschaftlich bzw. moralisch verwerflich ist. Zum Thema Mieterprovision ist anzumerken das bereits vor vielen Jahren schon die Grenze von 2 Kaltmieten gesetzlich geregelt wurde.

    Es wäre schön wenn die Politik sinnvoll in Marktmechanismen eingreifen würde.
    Doch wenn es eine Mietpreisbremse geben sollte müsste man dann nicht ebenso eine Strom-, Wasser-, oder Spritpreisbremse einführen? Ebenso nicht dann auch für Brot, Milch und Butter?

    Wenn seitens der Regierung vernünftige Förderungen für Eigenheimbau geschaffen würden und der soziale Wohnungsbau optimiert werden könnte, wäre das eine wesentlich stabilere und sinnvollere Neuerung.


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    1. Frei vereinbar bedeutet natürlich auch, dass man eine Wahlmöglichkeit hat. In der Realität hat man diese Wahlmöglichkeit nicht - da heisst es dann, wer die Wohnung mieten oder kaufen will, muss Maklerprovision zahlen, da sonst ein anderer Kandidat ausgewählt wird. D.h. hier gibt es eben keine freie Möglichkeit darüber zu entscheiden, ob man einen Makler braucht oder nicht. In Deutschland ist es ohnehin fraglich ob ein Makler notwendig ist. Man braucht keine besondere Qualifikation und ein Makler handelt oft weder im Sinne des Verkäufers / Vermieters noch im Sinne des Käufers/Mieters - sondern primär im eigenen Interesse möglichst schnell mit wenig Aufwand die Provision zu kassieren. Als Käufer/Mieter hat man keine Garantie nicht zuviel zu bezahlen - und als Verkäufer / Vermieter hat man keine Garantire den besten Preis oder Kandidaten zu bekommen. Ein Makler haftet in den seltenstens Fällen, da er sich immer herausreden kann mit "das wusste ich nicht - der Vermieter/Verkäufer hat mir das nicht gesagt"...d.h. ein Makler hilft eigentlich nicht, sondern erschwert eher den Kauf oder die Anmietung eines Objekts und erhöht nur die ohnehin hohen Kaufnebenkosten oder Kosten die mit einem Umzug bei der Anmietung einer neuen Wohnung zusammenhängen. Eni Makler ist maximal eine Hilfe für einen Verkäufer oder Vermieter, der keine Lust hat selbst Besichtigungen durchzuführen.

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  2. Wie oben schon erwähnt hat man, zumindest als Mieter, bisher keine Wahlmöglichkeit. Einen Makler engagiere ich, damit er mir die Arbeit abnimmt. Für diese Arbeit soll der Makler auch bezahlt werden, keine Frage. Vermieter genießen aber bisher den Luxus, dass sie sich einen externen Mitarbeiter kaufen, der hilft die Wohnung oder das Haus stressfrei zu vermieten, macht die ganz Arbeit und, und das ist der Luxus, der Vermieter muss ich nicht bezahlen! Eigentlich eine schöne Sache – nur eben für den Mieter nicht. Der wiederum muss für was bezahlen, was er gar nicht will und was er schon gar nicht bestellt hat. Ergo: am Ende sollen Makler gerne Ihr Geld haben, aber eben von dem, der ihn bestellt hat.

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