Montag, 2. Januar 2012

Where the f.... is Otl-Aicher Strasse und Hans-Döllgast Strasse?

Eigentlich ist es der älteste Trick der (Makler)Welt. Man kauft günstig Grundstücke und Immobilien in Gegenden, in denen keiner wohnen möchte - und die Preise sehr niedrig sind. Dann führt man eine "Aufwertung" der Gegend durch - z.B. Luxus-Sanierung der Bestandsimmobilien, Abriß des Altbestands oder Neubau von Wohnimmobilien auf ehemaligen Gewerbegebieten oder bisher ungenutze Flächen aufgrund der schlechten Lage (z.B. Bahngleise, Straße, Kläranlage, Flughafen, Gefängnis etc...). Danach versucht man das ganze zu einem horrenden Preis wieder zu verkaufen.

Dafür muss man allerdings manchmal noch etwas tiefer in die Trickkiste greifen: Man denkt sich einen neuen Namen für die Gegend / das neue "Viertel" aus damit das ganze hip und trendig klingt. So war das einst im Glockenbachviertel:  Dieser Begriff wurde durch Makler erschaffen - denn das Glockenbachviertel - wie wir es jetzt kennen - war früher das Münchner Ghetto und keiner wollte dort wohnen. Aber auch heute gibt es viele Beispiele dafür - man muss sich nur mal die Neubau Projekte in München anschauen - auch wenn sicher ist, dass es dort sicherlich niemals zur Erschaffung eines neuen Glockenbachviertels kommen wird:


  • Arnulfpark - damit der Nachteil der Bahngleise zu einem Verkaufsargument wird
  • Rodenstock Garten - dann wird aus der stark befahrenen Auenstrasse das Verkaufsargument der Isarnähe
  • Hirschgarten - aus dem Güterbahnhof Outback wird "Natur pur"
  • Isar Tower - ein schönes Wort für eine hässliches Beton Hochhaus im Industriegebiet / Rot-Licht Bezirk- das nur von einer stark befahrenen Straße und mehreren Gebäuden von der Isar getrennt ist.
  • etc..
Aus einem Stadtviertel wird meistens nur ein Kult, wenn es langsam wächst und meist die Stadtviertel Gründer aus Kreativen und Studenten besteht - Leute mit wenig Geld, aber vielen Ideen, die aus der Not eine Tugend machen. Wenn von vorne herein eine Wohnung in einem Copy&Paste Wohnblock entsteht, ist dies sicherlich nichts für kreative mit kleinem Budget: die Wohnungen sind zu teuer und keiner möchte in der gleichen Wohnung wohnen wie tausend andere -  mit dem gleichen Bad, der gleichen Küche, den gleichen Böden und in einem Wohnblock, der aussieht wie 10 andere in der gleichen Straße. Auch die Vorgärten und der Innenhof wurde schnell und effizient vorgeplant - auch hier kein Freiraum für kreativen Schaffen. Selbst die Balkongestaltung und die Begrünung im Innenhof wird streng von der Eigentümergemeinschaft und Hausverwaltung festgeschrieben. Am Ende sind die Wohnungen auch oft nur Kapitalanlage - da wohnt man selbst nicht drin und "Schönheit" schmälert die Rendite.

Ungeliebte Straßennamen werden ersetzt

Bei Straßen, die bisher aufgrund der Assoziationen negativ vorbelastet sind, stell man am besten den Antrag die Straßen teilweise umzubenennen - oder bei Neubaugebieten in der Nähe wird bei der Stadt München der Antrag eingereicht, einen Straßennamen einzuführen, bevor es zur Verlängerung einer bestehenden Straße kommt.

Otl-Aicher Strasse und Hans-Döllgast Strasse


In der schlechtest-möglichen Lage für Wohnungen in dem Außenbereich der Münchner Innenstadt wurde vor kurzem zwei neue Straßennamen vergeben:
  • Otl-Aicher Strasse
  • Hans-Döllgast Strasse
Diese beiden Wohnungen sind derzeit noch nicht bei Google Maps eingetragen, tauchen aber derzeit bei einigen Maklern in den Angeboten auf.

http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/ris_vorlagen_kurzinfo.jsp?risid=1993965

Dieses neue "Viertel" ist in unmittelbarer Lage zum Frankfurter Ring und in Spazierweite zur Autobahn A9.

Bin mal gespannt, welchen Namen sich die findigen Makler und Immobilienentwickler für dieses Teil München überlegen...


Kommentare:

  1. Hallo Toni,

    >> Bin mal gespannt, welchen Namen sich die findigen Makler und Immobilienentwickler für dieses Teil München überlegen...

    aber den gibt´s doch schon seit Jahren :-)
    (Vorsicht festhalten, Brüller folgt...)

    Die Gegend nennt sich verheissungsvoll "Schwabing-Nord" :-)

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  2. Parkstadt Schwabing - hab ich auch schon gehört.

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  3. "In der schlechtest-möglichen Lage..." - was hast Du gegen die Lage?

    15 Fahrrad-Minuten zum englischen Garten, zum Odeonsplatz, zum Euro-Industriepark UND zum Olympiapark sind doch nicht schlecht...außerdem entsteht bald 1 km weiter südlich (dort, wo momentan das hässliche Metro-Gebäude steht) ein neues Nobel-Viertel ("Schwabinger Tor").

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  4. Ja richtig Parkstadt Schwabing. Wir wohnen dort auf der anderen Seite der Tram und die Gegend ist super ;-)

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  5. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier...kommt immer drauf an, wo man vorher gewohnt hat. Für manche ist es eventuell auch eine Steigerung...

    Zur Lage:

    - sterile, Neubau Betonsiedlung à la Arnulfpark

    - im "nirgendwo" - bzw. zwischen Autobahn/Stadtringen und Gewerbegebieten - wenn man 15 Minuten irgendwo hinfahren will, wo es interessant ist, kann man auch gleich nach Ottobrun oder Unterhaching ziehen...oder Gröbenzell. In einem guten Viertel, reicht es vor die Türe zu gehen. Hier muss man erstmal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo hinfahren. Zu Fuß ist alles eine längere "Wanderung", und kein Spaziergang.

    - Schwabinger Tor: d.h. nicht mal "Nord Schwabing", sondern noch davor? Schwabing an sich ist auch nicht gerade eine gute Lage. 99.9% alle Schwabinger wohnen in einer schlechtern Lage. Richtig gute Lagen gibt es in Schwabing nicht. Nachteile von Schwabing: Mit dem Auto kann man es vergessen (z.B. in die Berge oder einen See fahren...) - egal wohin man will, man steht erstmal im Stau. Ruhig ist Schwabing nicht gerade - und jede Strasse ist stark befahren (im Gegensatz zum Glockenbachviertel).

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